Konrad Sarodnick
3. März 2021

Tracking im Internet Fazit - 4/4


Das Tracking von Nutzerdaten, ohne den Nutzer über die getrackten Daten zu informieren und entscheiden zu lassen, verletzt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und ist ein starker Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.

Das Recht auf informelle Selbstbestimmung bedeutet, dass jeder Mensch die Freiheit hat, zu entscheiden welche Informationen über ihn und an wen weitergegeben werden. Eine ungewollte Weitergabe oder Verbreitung von persönlichen Informationen verletzt also die persönliche Freiheit.

In der Realität ist eine informationelle Selbstbestimmung jedoch nicht uneingeschränkt möglich, da sie in Konflikt mit gesetzlichen Regelungen oder gesellschaftlichen Normen steht. Beispielsweise muss das Kennzeichen eines Autos immer sichtbar sein oder der echte Name bei Eröffnung eines Bankkontos verwendet werden. Dazu kommt, dass die getrackten Daten in der Regel für personalisierte Werbung verwendet werden, was besonders bei politischer Werbung problematisch ist. Der Nutzer wird bewusst manipuliert und es wird versucht, sein Verhalten zu beeinflussen.

Die EU hat mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dafür gesorgt, dass der Nutzer über die getrackten Daten aufgeklärt werden und über den Umfang entscheiden können. Außerdem sieht die DSGVO vor, dass die Voreinstellungen auf Webseiten so gesetzt sind, sodass nur notwendige personenbezogene Daten erhoben werden. Allerdings ist nach DSGVO das Sammeln der personenbezogenen Daten erlaubt, sobald die Zustimmung dafür gegeben wurde.

Der Markt der Nutzerdaten muss reguliert werden, da sonst jeder Mensch einwilligen kann, dass seine Daten gesammelt, analysiert und an Dritte weiterverkauft werden dürfen. Es muss klar geregelt sein bei welchen Daten der Verkauf gestattet ist und welche Bedingungen für den Handel gelten, um den Nutzer zu schützen. Es ist zwar wünschenswert, dass jeder Nutzer selbst eine fundierte Entscheidung trifft, allerdings ist er nicht immer in der Lage dazu. Die Ausmaße der Zustimmung sind schwer zu fassen und sich lassen nicht abschätzen, da die Kontrolle über die Daten vollständig abgegeben wird. Um den Markt regulieren zu können, muss jedoch ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. Die Menschen haben sich an die kostenlosen Services im Internet gewöhnt und sind wahrscheinlich nicht bereit Geld für Services wie die Google-Suchmaschine oder Facebook zu bezahlen. Solang diese Bereitschaft nicht da ist und Menschen bereitwillig ihre Daten für kostenlose Services zur Verfügung stellen, werden Konzerne wie Google auch weiterhin durch den Verkauf von Daten ihr Geld verdienen.

Im Rahmen dieser Serie habe ich verschiedene Methoden angewandt, um das leider allgegenwärtige Tracking nachzuverfolgen. Es ist erschreckend, in welchem Ausmaß das Verhalten im Internet über Webseiten und Dienste hinweg getrackt wird. Es ist sicher jedem klar, dass das Verhalten auf der Webseite für Werbezwecke getrackt wird. Dennoch überrascht mich, dass die verschiedenen Anbieter sich untereinander automatisiert über Cookie-Syncing austauschen. Außerdem habe ich nicht erwartet, dass über verschiedene Fingerprinting-Verfahren – wie HTML-Canvas-Pixel – versucht wird,  individuelle Nutzer dauerhaft zu identifizieren. 


Zusammenfassung


Tracking von Nutzerdaten und dessen Auswertung, wie es heutzutage genutzt wird, ist sehr problematisch, da Tracking mit Selbstverständlichkeit für Werbung und Manipulation des Nutzers verwendet wird. Dazu kommt, dass es kaum möglich ist Tracking vollständig zu verhindern und es muss auf viel Komfort verzichtet werden, um Tracking stark einschränken zu können. Glücklicherweise lässt sich mit einfachen Mitteln wie z. B. einem Ad-Blocker Tracking zumindest etwas entgegenzuwirken. Doch solange kein struktureller Wandel im Denken der Nutzer stattfindet, muss jeder für sich persönlich einen Trade-Off zwischen Privatsphäre und Komfort finden.

Autor

Konrad Sarodnick ist Masterstudent der Wirtschaftsinformatik. Das Studium verbindet auf ideale Weise Informatik mit wirtschaftlichen Aspekten. Seine Leidenschaft sind die Zukunftsfelder Machine Learning, Big Data und neuronale Netze.